Technologie
Neuer Supercomputer XT Jaguar
Mit 1,6 Petaflops verdrängt Jaguar den bisherigen Spitzenreiter Roadrunner (14.11.2008)
Zwei Mal im Jahr, jeweils im Juni und November, wird eine neue Liste der weltweit schnellsten Supercomputer veröffentlicht. In wenigen Tagen ist es also wieder so weit. Bisheriger Spitzenreiter ist der Roadrunner (siehe www.33y.de/supercomputer.html), der erstmals die Petaflop-Marke übersprang.
Petaflop (Floating Point Operations per Second) ist eine Maßeinheit, die die Geschwindigkeit von Computern oder Prozessoren misst. Grundlage ist die Anzahl der Rechenoperationen, die ein Computer in einer Sekunde schafft. Ein 3,0Ghz schneller Pentium IV Rechner erreicht einen Wert von etwa 6 Gigaflops. Ein Gigaflop entspricht einer Milliarde Rechenoperationen pro Sekunde. Ein Petaflop entspricht 1.000.000.000.000.000 Flops (1 Billiarde).
Inzwischen gibt es einen weiteren Rechner, der die magische Petaflop-Barriere übersprungen hat. Es geht um den Supercomputer XT Jaguar der Firma Cray Inc. aus Seattle im US-Bundesstaat Washington. Der Rechner wird vom amerikanischen Energieministerium genutzt und befindet sich in dessen Oak Ridge National-Laboratorium (Tennessee).
Der Jaguar hat die Petaflop Hürde nicht nur gemeistert, sondern den Widersacher Roadrunner auch deutlich übertrumpft. Letzterer hatte sich mit einem Wert von 1,026 Petaflops an die Spitze gehievt. Jaguar setzt dem in internen Messungen 1,64 Petaflops entgegen und verbessert den inoffiziellen Weltrekord damit um unfassbare 60%.
Dennoch bleibt nach wie vor offen, ob Jaguar den ersten Platz erobern wird. Noch besteht die Möglichkeit, dass auch der Roadrunner seit Juni ein upgrade erfahren hat. Beim Roadrunner Hersteller IBM gibt man sich dazu derzeit noch bedeckt. Erst wenn die offizielle Liste der Supercomputer in wenigen Tagen veröffentlicht sein wird, wird hierzu Klarheit herrschen.
Auch Jaguar wurde seit 2004 laufend verbessert. In dem Supergerät werkeln unfassbare 362 Terabyte an Arbeitsspeicher. Diesen Herbst haben die Entwickler der Maschine 200 neue Prozessorenschränke spendiert, es sind nun insgesamt 284 Stück. Jeder dieser Schränke kann bis zu 192 separate AMD Quadcore Opteron Chips beherbergen. Die gesamte Maschine läuft mit sagenhaften 45.000 Chips, was 180.000 Prozessorkernen gleichkommt. Die ganze Anlage ist größer als ein Basketballfeld, es sind regelmäßig etwa 70 Mitarbeiter damit beschäftigt, den Rechner zu bedienen.
Man fragt sich, wozu man solche Rechenpower braucht. Geht es nur um den Titel im Wettlauf um den schnellsten Computer der Welt? Nicht unbedingt. Diese Superkisten dienen Forschern dazu, komplexe physische Prozesse zu simulieren, beispielsweise meteorologische Berechnungen für die Klimaforschung. Es ist mittlerweile so, dass das Supercomputing neben Theorie und Experiment zum dritten Grundpfeiler für wissenschaftliche Entdeckungen geworden ist.
Jaguar ist gewissermaßen eine Art Open-Source Projekt. Wissenschaftler aus Universitäten, Firmen, Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen sollen seine Rechenpower für ihre Projekte nützen können.
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