Technologie
Google Flu Trends in der Kritik
Googles Grippe Frühwarnsystem beunruhigt Datenschützer (10.12.2008)
Googles neues Grippe Frühwarnsystem „Flu Trends“ wirft zunehmend Fragen bezüglich des Datenschutzes auf. Mit dem Tool kann Google anhand von Suchanfragen Vorhersagen darüber treffen, in welcher Region eine Grippewelle auszubrechen droht. Bislang ist der Dienst allerdings auf die 50 Bundesstaaten der USA beschränkt, eine Ausweitung auf Deutschland oder Europa insgesamt wäre technisch aber leicht zu realisieren.
Datenschutzgruppen in den USA kritisieren, dass Google sich wenig transparent zeigt, wenn es darum geht, was mit den Nutzerdaten geschieht. Das System funktioniert so, dass Google erfasst, in welcher Region Grippe-spezifische Suchanfragen in die Suchmaschine eingegeben werden wie z.B. „Grippe Symptome“. Es hat sich gezeigt, dass es tatsächlich einen Zusammenhang gibt zwischen der Häufung solcher Suchanfragen und tatsächlich gemeldeten Grippe-Fällen. Bei Vergleichen der Google Vorhersagen mit Daten staatlicher Stellen während der letzten Grippe-Saison hat sich zudem herausgestellt, dass es einen engen Zusammenhang zwischen beiden gab. Flu Trends könnte Epidemiologen also als wertvolles Grippe-Frühwarnsystem dienen. Insgesamt soll das System bis zu zwei Wochen schneller arbeiten als traditionelle staatliche Erkennungsmethoden.
Das Problem aus Sicht der Datenschützer liegt auf der Hand: Zu jeder Suchanfrage hat Google auch die IP-Adresse des Rechners, von dem aus die Anfrage gestartet wurde. Es wäre also möglich die Suchanfrage einer bestimmten Person zuzuordnen, zumindest aber einem bestimmten Rechner. Google hatte zwar zugesagt, dass alle anfallenden Daten anonymisiert werden, Datenschützer kritisieren aber die fehlende Transparenz hinsichtlich der von Google verwendeten Technik. „Wenn Google eine Methode hat, zu verhindern dass Rückschlüsse auf eine bestimmte Person möglich sind, dann sollte diese Methode transparent dargelegt werden“, sagte Marc Rotenberg, Vorsitzender einer Datenschutzvereinigung.
Wenn Google Vorhersagen über Grippewellen treffen kann, könnte es das natürlich auch für andere Krankheiten tun. Wenn beispielsweise SARS-Fälle in einer bestimmten Stadt erkannt werden, wäre es möglich, dass staatliche Stellen wissen möchten, wer genau die entsprechenden Suchanfragen eingegeben hat. Wie kann Google also nun verhindern, dass solches geschieht? Google erklärte, dass in der Grippe-Datenbank keine persönlichen Daten behalten werden, wie IP-Adresse oder Standort. Was aber nicht klar ist, ob Google die kompletten IP-Adressen löscht und wenn ja, wann dies geschieht. Auch bleibt die Frage offen, ob Google IP-Adressen nur in der Form anonymisiert dass einige Ziffern der IP verschleiert werden. Grundsätzlich anonymisiert Google nach eigenen Angaben jegliche IP-Adressen im Zusammenhang mit Suchanfragen nach neun Monaten. Was die Grippe-Datenbank angeht, hieß es von Google, dass man sowohl aktuelle Daten, als auch historische Daten bis zurück in das Jahr 2003 verwende.
Vor zwei Jahren hatte es bereits einmal einen Datenskandal gegeben, als AOL versehentlich Suchinformationen auf einer öffentlichen Internet-Seite veröffentlich hatte. Diese Suchanfragen waren von AOL angeblich anonymisiert worden. Es war aber ziemlich leicht, die Anfragen individuellen IP-Adressen und in vielen Fällen auch konkreten Personen zuzuordnen.
Lesen Sie auch die Beiträge:
Neue Schlacht zwischen Google und Microsoft
Microsoft: Weiter keine Yahoo Übernahme
Windows7: Geheimwaffe gegen Google?
Forscher entwickeln Anti-Krebs Bier
NASA-Sonde: Auf dem Mars schneit es
Google Earth: Bald schärfere Bilder dank GeoEye
DSL jetzt auch im Weltraum